Gedanken auf Backpapier

Fotografie kann objektiv sein – muss es aber nicht.

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Dieser Satz stammt leider nicht von mir. Gehört hab‘ ich ihn in einem Youtube Video, gesagt hat ihn ein Youtuber, dessen Lightroom Tutorial ich mir zu Gemüte geführt hatte.

Dieser nette Satz stammt also nicht von mir, allerdings beschreibt er sehr gut meinen Zugang zur Fotografie und Bildbearbeitung.

Die uralte (Streit)Frage: bearbeiten oder nicht?!

In meinem Fall: JA. Ich fotografiere hauptsächlich Landschaft und Natur und fast alle Bilder, die ich irgendwo öffentlich teile habe ich zuvor bearbeitet. Weil es mir Spaß macht, weil ich mich dadurch kreativ austoben kann, weil mir persönlich bearbeitete Fotos meist besser gefallen. Und ja, weil ich so auch öfter ein „Wow, deine Bilder sind mega schön“ höre. Jaja, das liebe Ego – immer braucht es seine Streicheleinheiten, das arme Ding…

Meinem Verständnis nach müssen Fotos nicht immer die reine Realität abbilden. Nicht bearbeitete Bilder empfinde ich häufig als eher langweilig, blass und werden der Schönheit so mancher Landschaft oder Situation nicht ganz gerecht. Erst durch das Spiel mit Kontrast, Belichtung und Farben schafft es ein Foto mich zu begeistern (Ausnahmen gibt es natürlich immer!).

Das sieht nicht jeder so, wie ich wieder einmal bemerken durfte. Einige Denkanstöße gab mir eine kürzlich geführte Diskussion mit einem flüchtigen Bekannten… Ja, OK es war ein Tinderdate… Nein, draus geworden ist nix… Von der Begegnung geblieben sind aber einige neue und zum Teil wichtige Erkenntnisse. Jedenfalls war diese Bekanntschaft, um es gelinde auszudrücken, von der Bildbearbeitung eher wenig angetan. Argumente wie „Die Natur ist doch schön genug“ oder „die Realität kann mit solch veränderten Bildern nicht mithalten und man ist dann zwangsläufig enttäuscht“ und auch Fragen wie „Für wen machst du das eigentlich?“ sind da gefallen und haben mir dann doch dezent zu denken gegeben. Da ist ja überall was Wahres dran.

Das mit dieser überzogenen Erwartungshaltung aufgrund wunderschön bearbeiteter Fotos kenne ich selber ja recht gut. Bestes Beispiel: vor knapp 1 Monat war ich in Island (Blog dazu soll folgen) und habe dort zum ersten Mal in meinem Leben Nordlichter gesehen. Endlich! Sowas will mensch ja unbedingt einmal erlebt haben! Tatsächlich war ich von meinem ersten Nordlicht eher enttäuscht. Nix war es mit diesen kräftigen grünen und blauen Lichtgebilden, die über den gesamten Nachthimmel tanzen, wie man es von diversen Fotos halt so kennt. Darum machen die Leute so einen Aufriss, dacht ich mir. Das hätte auch ein Wolkenfetzen sein können (oder Crebain aus Dunland). Ein Opfer übersteigerter Erwartungshaltung aufgrund von Fotos. Allerdings war dieses, mein erstes Polarlicht tatsächlich äußerst schwach auf der Brust. Die Nacht darauf erlebten wir ein stundenlanges Spektakel mit diversen „WOWs“, „OHs“ und „OH MEIN GOTTs“ unsererseits! ABER: obwohl dieses zweite ein recht kräftiges und wunderschönes Nordlicht war, waren die Farben mit freiem Auge trotzdem nicht so kräftig zu sehen, wie es meine Kameras wiedergegeben haben (sogar unbearbeitet).

Zur Frage für wen ich das mit dem Fotografieren bzw Teilen meiner Bilder eigentlich mache: Ich könnte natürlich ohne wenn und aber behaupten, dass ich das nur für mich selber mache oder weil ich die Menschheit inspirieren will! Thaha – das glaube ich mir ja selbst nicht. Ja eh auch zu einem gewissen Teil, aber ich mach es ehrlicherweise auch, weil für ich schöne Bilder Anerkennung und Bestätigung bekomme. Traurig? Ja, vielleicht… Vielleicht ist es aber auch menschlich.

So und warum jetzt dieser Ausflug in meine Gehirnwindungen?! Keine Ahnung eigentlich… Aber ich hatte jetzt am Wochenende vorm Lockdown#4 in meinem Airbnb (ja, die Zeit wollte ich nochmal nutzen) einen so starken Drang, diese Gedanken zu Papier zu bringen, dass ich mangels Alternativen diesen Text auf Backpapier gekritzelt habe, weil die Worte anscheinend raus mussten. Davon und von meinen kleinen Wanderungen vor Ort ein paar wenige Eindrücke:

Abschließend also folgendes: Ich werde euch hier und auf Social Media weiterhin mit meinen Fotos und komischen Gedanken beglücken, aber hiermit festhalten, dass meine Fotos im Grunde allesamt bearbeitet sind und nicht zu 100% der Realität entsprechen. Ich habe euch gewarnt…

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